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Alles auf Anfang

Ich hatte mal einen Blog. Früher. Annodazumal. In meinem vorherigen Leben. Damals. Als man Wurz noch mit F und Fett mit U schrub.
Es war nicht so, dass der Blog optimal lief. Es gab ein paar Follower, ab und an wurden Kommentare hinterlassen. Ich hatte Ideen, Entwürfe. Wollte mehr aufs echte Leben verweisen, mehr Realität im Internet und so. Um es kurz zu machen: mein Blog hatte eine Richtung eingeschlagen, die anderen Menschen anfing zu gefallen und war auf dem Weg, etwas mehr angesehen zu werden. Jeder neue Follower und jedes einzelne Kommentar waren ein schöner Lohn für meine Mühen. Ich hatte Spaß am Schreiben, am Code-Schnipseln, am anderen Blögge lesen, am Leben.
Als das Ende meines Blogs kam und der Anfang meines neuen Daseins sich zeigte, habe ich gerade mit meiner Ausbildung begonnen und damit irgendwie mein Leben beendet. Ich möchte gar nicht ins Detail gehen. Dafür ist die Öffentlichkeit hier tatsächlich nicht der richtige Ort. Das Wort ROSENKRIEG sollte alles erklären was es zu erklären geben könnte. Also versuche ich mich kurz zu fassen: ich verließ Ende Juni 2018 mit meinen Kindern deren Vater, unser Haus, unsere Heimat, unsere Vergangenheit und unsere Zukunft.
Nichts auf der Welt geschieht ohne Grund. Und jegliche Entscheidung, die wir treffen, ebnet das Leben, das wir in Zukunft führen werden. Es gibt nichts, was ich je bereut habe und nichts, was ich nicht nochmal tun würde.

Irgendwann in der Umgestaltung unseres neuen Lebens fiel mir mein Blog ein. Ich wollte wieder schreiben. Als ich meinen Blog aufrief, öffneten sich nicht meine mir bekannten Beiträge. Viel mehr durfte ich erfahren, mit wem ich gerne geschlechtlich verkehren wollte. Mein Blog wurde also gehackt. Von dem Mann, mit dem ich in keinster Weise mehr verkehren wollte. Von dem Ex-Holden, der dafür die Kontrolle über mich behalten wollte. Untergeben und auf Knien rutschend bat ich darum, diese Verleumdung meiner und ebenso der anderen Person zu entfernen. Dem wurde auch stattgegeben. Meine Domain wurde gelöscht und damit all meine Ideen, mein veröffentlichtes geistiges Eigentum. Mein Blog. Meine Bilder. Wichtige Dateien aus meinem Leben. Alles weg, ohne mir nur die Möglichkeit zu geben darüber nachzudenken, die jährlichen Gebühren selbst zu zahlen.
Ich legte all meine Gedanken an neue Ideen auf Eis. Keine Ahnung, ob der Hauptgrund nachvollziehbar ist. Ich wollte keinen Blog, der nicht auf meiner eigenen Domain liegt. Ich bin nun mal kDsTyLz…ob .de oder .com ist doch egal. kDsTyLz ist Kathrin. Einfach Kathrin, einfach ich. Ein Pseudonym, das ich mir vor über zehn Jahren zugelegt habe. All meine Bilder, die ich male, tragen diesen kleinen Namen. Mein Instagramkonto ist kDsTyLz. Ich bin nicht berühmt…aber ich bin kDsTyLz. Stylz für Style. Mein Style. KD sind meine Initialen. Ach, was solls! Ich bin jedenfalls nicht irgendeine .blog.leben.-Adresse.

Die letzten Wochen war ich hin und wieder ganz fickerisch. Viele Situationen in meinem Alltag wollte ich aufschreiben. Der Welt mitteilen. Denn hey…im Gegensatz zu meinem Leben die fünfzehn Jahre zuvor habe ich jetzt überhaupt ein Leben, das aus mehr besteht, als Putzen, Kochen, Backen, Kinder hüten. Ich bin stolze Besitzerin eines gut gefüllten Alltags. Also ich mein, einen Alltag, über den es sich zu berichten lohnt. Seien es Erfahrungen mit meinen Pubertieren, lehrreiches aus meiner Ausbildung, Begegnungen außer Haus,… ständig schreibe ich in meinem Kopf Geschichten, die ich nie zu Papier bringe.
Vor ein paar Tagen beschloss ich dann, wirklich selbst Geld in eine Domain zu stecken. Es war der Tag, an dem die Teewurst alle war und ich mal wieder ein AHA-Erlebnis hatte. Und siehe da: kdstylz.de war noch verfügbar. Zwar musste ich mich erst mal in die gesamte Materie der MySQL wieder einarbeiten und auch WordPress hat eine Menge Änderungen vorgenommen, doch habe ich gerade Sommerferien und die sind bekannterweise nicht zum Lernen da. Der Kopf allerdings braucht immer eine Aufgabe, sonst kommt man ins Gedankenkreisen. Oder in den Putzwahn.

Warum also „Never Run a Changing System“ ?

Die Erklärung hierfür ist sehr einfach. Fünfzehn Jahre habe ich das wirkliche Zitat „Never Change a Running System“ gelebt. Irgendwie hat mein System Ehe und Familie funktioniert und was funktioniert, ändert man nicht. Habituation und so! Dann konnte ich nicht mehr. Ich befand mich auf dem Weg wirklich psychisch krank zu werden…und rannte quasi über Nacht aus meinem alten Leben davon.
Tja wer hätte das gedacht? Die Veränderungen eines Lebens zu organisieren sind tatsächlich auch nicht einfacher, als in den vertrauten Gewohnheiten zu leben. In den vergangen Monaten gab es viele Tränen, viel Kummer, viel Leid. Und immer wieder sehnte ich mich nach dem Vertrauten zurück. Nach meinem alten Leben. In meiner Überforderung versuchte ich oft die Verantwortung in andere Hände zu legen. Und an dem Tag, an dem die Teewurst alle war, wurde mir bewusst, dass nur ich mein Leben leben kann. Also nicht, dass ich das nicht vorher schon oft dachte! Aber an diesem Tag fiel es mir wie Schuppen von den Fischen. Es lag kristallklar vor meinen Augen. Ich dachte zu viel an andere, zu wenig an mich. Die ständigen Veränderungen meiner sozialen Umwelt brachten mich immer wieder dazu, mich selbst nach hinten zu stellen. Mich anzupassen. Mitzulaufen. Damit half ich stets nur anderen Menschen ihr System Leben zu ändern und blieb dabei auf der Strecke. Ich organisierte mich immer wieder neu, damit andere ihr Leben leben konnten. Ich wurde belogen, betrogen, psychisch und auch physisch misshandelt…und ich habe es geschehen lassen.
Doch damit höre ich jetzt auf. Ich werde nicht mehr andere Systeme leiten. Genauso wenig werde ich mich aber den Gewohnheiten wieder hingeben. Denn Leben heißt Veränderung. Ständig. Stets. Als. Und immerzus!


In diesem Sinne…
Gehabt Euch wohl!